Atemschutz-Vollmaske und Chemikalienschutzanzug: Welchen Schutz brauchen Sie?

Schutzanzug Dräger CPS 5800

Chlor kann man oft am Geruch erkennen, Kohlenmonoxid dagegen nicht. Bei einem Chemieunfall oder einem Brand ist es für Laien schwer einzuschätzen, welche Gefahr von den freigesetzten Stoffen ausgeht.  

Die richtige Schutzausrüstung kann helfen, muss aber zum jeweiligen Gefahrstoff und zur Situation passen. 

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Atemschutzmasken und Chemikalienschutzanzüge funktionieren, worauf Sie bei Filtern achten sollten und welche Ausrüstung für unterschiedliche Situationen infrage kommt. 

Wann ist Schutzausrüstung bei Gefahrstoffen sinnvoll? 

Bei einem Gefahrstoffaustritt im Freien ist es in der Regel am Sichersten, ein Gebäude aufzusuchen, Fenster und Türen zu schließen und Lüftung sowie Klimaanlage auszuschalten. Suchen Sie möglichst einen geschützten Innenraum auf und folgen Sie den Warnungen und Anweisungen der Behörden. Bei Gasen oder Dämpfen können obere Stockwerke günstiger sein. Entscheidend ist jedoch, um welchen Stoff es sich handelt und wie sich dieser ausbreitet.  

Persönliche Schutzausrüstung wird vor allem dort benötigt, wo Menschen beruflich mit Gefahrstoffen umgehen oder unter kontrollierten Bedingungen in belastete Bereiche müssen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Tätigkeiten in Industrieanlagen oder Einsätze von geschulten Rettungs- und Einsatzkräften. 

Dabei müssen drei Bereiche geschützt werden: 

  • Atemwege: vor giftigen Gasen, Dämpfen und Partikeln. 
  • Haut und Körper: vor gefährlichen Flüssigkeiten und anderen Stoffen, die den Körper schädigen können. 
  • Augen und Hände: vor Spritzern und direktem Kontakt mit Gefahrstoffen. 

Welche Ausrüstung erforderlich ist, hängt vom Stoff, seiner Konzentration und den Bedingungen vor Ort ab. 

Wie funktioniert eine Atemschutz-Vollmaske mit Filter? 

Eine Vollmaske schützt Augen, Nase und Mund. Der passende Filter hält bestimmte Schadstoffe aus der eingeatmeten Luft zurück. Die Maske und der Filter müssen dafür zusammenpassen und richtig verwendet werden. 

Wichtig sind zwei Voraussetzungen: Die Maske muss dicht am Gesicht sitzen und die Umgebungsluft muss genügend Sauerstoff enthalten. Filtergeräte dürfen grundsätzlich nicht bei weniger als 17 Prozent Sauerstoff eingesetzt werden. Bei Kohlenmonoxid gelten für spezielle CO-Filter zusätzliche Anforderungen. Ein dichter Sitz ist ebenfalls entscheidend: Ein Bart im Bereich der Dichtlinie kann dazu führen, dass Schadstoffe an der Maske vorbeiströmen.  

Vollmasken werden nach EN 136 in drei Klassen eingeteilt. Die Klassen unterscheiden sich unter anderem durch ihre Anforderungen an die mechanische Belastbarkeit und den Einsatzbereich. Klasse 3 erfüllt zusätzliche Anforderungen, beispielsweise an die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wärmestrahlung. 

Die Vollmaske C 701, Klasse 3 verfügt über einen Rundgewindeanschluss nach EN 148-1. Eine weitere Option ist die Dräger X-plore 6300 mit Rd40-Anschluss. 

Was bedeutet ABEK bei einem Filter? 

Die Kennzeichnung eines Filters zeigt, gegen welche Schadstoffgruppen er Schutz bietet. Die Buchstaben stehen für bestimmte Gase und Dämpfe, während die Kennzeichnung P für Partikel steht. 

  • A: bestimmte organische Gase und Dämpfe, beispielsweise aus vielen Lösemitteln. 
  • B: bestimmte anorganische Gase und Dämpfe. 
  • E: Schwefeldioxid und andere saure Gase. 
  • K: Ammoniak und bestimmte Ammoniakverbindungen. 
  • P3: Partikel, darunter giftige und hochgiftige Stäube und Aerosole. 

Die Zahlen 1, 2 und 3 kennzeichnen bei Gasfiltern unterschiedliche Leistungsklassen. Eine höhere Klasse bedeutet eine größere Filterkapazität unter den festgelegten Prüfbedingungen. Sie bedeutet jedoch nicht, dass der Filter für jede Konzentration geeignet ist.  

Typische Beispiele für die verschiedenen Filtergruppen sind: 

  • Lösemitteldämpfe (A): können beim Arbeiten mit Farben, Lacken und Reinigungsmitteln auftreten. 
  • Chlor und andere anorganische Gase (B): können beispielsweise bei Störungen in technischen Anlagen freigesetzt werden. 
  • Schwefeldioxid (E): kann bei bestimmten Industrieprozessen und Verbrennungsvorgängen entstehen. 
  • Ammoniak (K): kommt unter anderem in bestimmten Kühlanlagen und in der Landwirtschaft vor. 
  • Ruß, Staub und Aerosole (P3): können beispielsweise bei Bränden oder industriellen Arbeiten auftreten. 

Wichtig bei Kohlenmonoxid: Ein gewöhnlicher ABEK-Filter schützt nicht vor Kohlenmonoxid. Dafür gibt es spezielle Filter mit zusätzlicher CO-Kennzeichnung. Der Mehrbereichs-Kombifilter DIRIN 530 bietet laut Produktkennzeichnung einen zeitlich begrenzten Schutz gegen Kohlenmonoxid. Daraus darf nicht abgeleitet werden, dass er für jeden Brand oder jede CO-Konzentration geeignet ist. 

Bei einem Brand können mehrere gefährliche Stoffe gleichzeitig auftreten. Deshalb reicht es nicht, allein anhand der sichtbaren Rauchentwicklung einen Filter auszuwählen. 

Wer verschiedene Gasgruppen und Partikel abdecken möchte, kann einen passenden Kombinationsfilter verwenden. Der  Mehrbereichs-Kombifilter DIRIN 230 NBC ist beispielsweise mit A2B2E2K2Hg-P3 gekennzeichnet. Er deckt damit die angegebenen Gasgruppen sowie Quecksilberdämpfe und Partikel ab. Welche Schutzwirkung im konkreten Fall erreicht wird, hängt unter anderem vom Gefahrstoff und seiner Konzentration ab. 

Auch Filter haben eine begrenzte Haltbarkeit und Einsatzdauer. Lagern Sie sie entsprechend den Herstellerangaben und beachten Sie das Verfallsdatum. Nach dem Öffnen oder Benutzen können andere Lagerungs- und Austauschregeln gelten. 

Wann reicht ein Filter nicht aus? 

Ein Filter reinigt die Umgebungsluft, stellt aber keinen zusätzlichen Sauerstoff bereit. Bei Sauerstoffmangel, unbekannten Gefahrstoffen oder sehr hohen Schadstoffkonzentrationen kann er deshalb ungeeignet sein. In solchen Fällen kommen Atemschutzgeräte mit unabhängiger Atemluftversorgung infrage, beispielsweise Pressluftatmer. Solche Geräte werden von entsprechend ausgebildeten Einsatzkräften verwendet.  

Besonders gefährlich ist Rauch in geschlossenen Räumen. Er kann giftige Gase und Partikel enthalten. Betreten Sie deshalb keinen verrauchten Raum, um Personen oder Gegenstände zu suchen. 

Für die Flucht aus bestimmten verrauchten Bereichen gibt es spezielle Brandfluchthauben, beispielsweise die Dräger PARAT 5500. Sie sind für die Flucht aus einem Gefahrenbereich vorgesehen, nicht für längere Arbeiten im Rauch oder für den Einsatz als Ersatz für einen Pressluftatmer. 

Welche Typen von Chemikalienschutzanzügen gibt es? 

Chemikalienschutzkleidung wird je nach Schutzwirkung in verschiedene Typen eingeteilt. Entscheidend ist, ob der Anzug vor Gasen, Flüssigkeiten, Spritzern oder Partikeln schützt. 

  • Typ 1: gasdichte Chemikalienschutzanzüge für besonders anspruchsvolle Einsätze. Je nach Ausführung wird die Atemluftversorgung unterschiedlich integriert. 
  • Typ 2: nicht gasdichte Anzüge mit Atemluftversorgung und Überdruck. Diese Kategorie ist in der aktuellen EN 943-1 nicht mehr enthalten. 
  • Typ 3: Schutz vor flüssigen Chemikalien, mit flüssigkeitsdichten Verbindungen zwischen den Anzugteilen. 
  • Typ 4: Schutz vor flüssigen Chemikalien, mit sprühdichten Verbindungen. 
  • Typ 5: Schutz vor bestimmten luftgetragenen festen Partikeln. 
  • Typ 6: begrenzter Schutz vor leichten Spritzern bestimmter flüssiger Chemikalien. 

Die Typen 3 bis 6 sind keine universellen Schutzanzüge gegen alle Chemikalien. Insbesondere Typ 5 und Typ 6 ersetzen keinen gasdichten Anzug, wenn gefährliche Gase oder Dämpfe eine Rolle spielen. Auch bei gasdichten Anzügen muss das Material für den jeweiligen Stoff geeignet sein.  

Ein Beispiel ist der Dräger CPS 5800. Dieser gasdichte Chemikalienschutzanzug vom Typ 1b ist für den Schutz vor gefährlichen gasförmigen, flüssigen und festen Stoffen ausgelegt. Die Atemluftversorgung erfolgt über einen Pressluftatmer, der außerhalb des Anzugs getragen wird. 

Ein Chemikalienschutzanzug schützt den Körper, ersetzt aber nicht den Atemschutz. Bei einem gasdichten Anzug muss die gesamte Ausrüstung aufeinander abgestimmt sein. Dazu gehören die Atemluftversorgung, die Maske und die übrigen Schutzkomponenten. 

Wie schützen Sie Hände und Augen? 

Hände und Augen können bei der Arbeit mit Chemikalien besonders schnell mit gefährlichen Stoffen in Kontakt kommen. Deshalb müssen auch sie passend geschützt werden. 

Chemikalienschutzhandschuhe bieten Schutz, wenn ihr Material für den jeweiligen Stoff geeignet ist. Nicht jeder Handschuh hält jeder Chemikalie gleich lange stand. Bei einem Schutzanzug mit fest integrierten Handschuhen müssen diese ebenfalls zum Einsatz passen. 

Eine Vollmaske schützt auch die Augen. Bei der Verwendung einer Halbmaske oder bei Arbeiten ohne Atemschutzmaske kann zusätzlicher Augenschutz erforderlich sein, beispielsweise eine geeignete Vollsichtbrille. Für die schnelle Spülung der Augen bei bestimmten Kontaminationen kann eine Augenspülflasche mit Trichter hilfreich sein. Sie ersetzt bei einer gefährlichen Augenverletzung oder Verätzung keine medizinische Versorgung. 

Welche Ausrüstung passt zu welcher Situation? 

Welche Ausrüstung geeignet ist, hängt davon ab, welcher Gefahrstoff auftritt, wie hoch seine Konzentration ist und ob ausreichend Sauerstoff vorhanden ist. Die folgende Übersicht zeigt typische Anwendungsfälle. Sie ist eine Orientierung und keine Anleitung, um sich ohne Fachkenntnisse in einen Gefahrenbereich zu begeben. 

Situation  Atemschutz  Körperschutz 
Gefahrstoffaustritt in der Nähe, Aufenthalt im Gebäude  In der Regel zunächst kein eigenes Filtergerät; Empfehlungen der Behörden befolgen  In der Regel keine zusätzliche Schutzausrüstung erforderlich 
Flucht aus einem Bereich mit bestimmten gefährlichen Gasen  Nur ein für den Stoff geeignetes Fluchtfiltergerät, sofern die Einsatzbedingungen dafür geeignet sind  Abhängig von der Gefahr und den behördlichen Anweisungen 
Flucht aus einem verrauchten Gebäude  Geeignete Brandfluchthaube, sofern vorgesehen und verfügbar; nicht zum Arbeiten im Rauch  Für die Flucht vorgesehene Ausrüstung 
Geplante Arbeiten mit Lösemitteln oder Lacken  Geeigneter A- oder Kombinationsfilter, wenn die Einsatzbedingungen den Filterbetrieb zulassen  Je nach Spritz- und Hautkontaktgefahr geeignete Schutzkleidung, beispielsweise Typ 5 oder 6 für passende Einsatzfälle 
Leckage mit Chlor, Ammoniak oder anderen gefährlichen Gasen  Auswahl durch qualifizierte Fachkräfte; bei hoher Konzentration oder unklarer Lage kann unabhängige Atemluftversorgung erforderlich sein  Bei entsprechender Gefahr ein geeigneter Chemikalienschutzanzug, gegebenenfalls gasdicht 
Unbekannter Stoff oder möglicher Sauerstoffmangel  Kein gewöhnliches Filtergerät; gegebenenfalls unabhängige Atemluftversorgung durch geschulte Einsatzkräfte  Auswahl durch Fachkräfte nach Gefährdungsbeurteilung 

 

Die wichtigste Regel lautet: Atemschutzmaske, Filter und Schutzanzug müssen zur konkreten Gefahr passen. Bei unbekannten Stoffen, Sauerstoffmangel und größeren Chemieunfällen ist die Auswahl und Anwendung geschulten Fachkräften vorbehalten. Für Privatpersonen gilt bei einem Gefahrstoffaustritt vor allem, Warnmeldungen ernst zu nehmen, Schutz in einem geeigneten Gebäude zu suchen und die Anweisungen der Behörden zu befolgen. 

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